Europas größter Softwarekonzern SAP hat im dritten Quartal den operativen Gewinn überraschend stark gesteigert. Der frühere Airbus- und Infineon- Finanzvorstand Dominik Asam hat dort im März das Finanzressort übernommen. Im Interview erläutert er, welche langfristigen Ziele er bei der Margenausweitung verfolgt, wie er das Cloud-Geschäft effzienter aufstellen will und welche Rolle Zukäufe künftig spielen

Dominik Asam ist seit März 2023 Finanzvorstand beim Softwarekonzern SAP. Zuvor war der gebürtige Münchner (Jahrgang 1969) in gleicher Funktion beim Flugzeugbauer Airbus und beim Chipkonzern Infineon

BÖRSE ONLINE: Bevor Sie bei SAP Finanzchef geworden sind, waren Sie unter anderem Finanzvorstand bei Airbus und bei Infineon. Was bringen Sie da bei SAP ein?

Dominik Asam: Im Laufe meines Berufslebens habe ich eine Reihe ganz verschiedener Branchen kennengelernt. Aber eine Konstante gab es immer: Beim Finanzvorstand gehört die Arbeit mit SAP-Software zur Berufsbeschreibung. SAP ist aus dem Finanzwesen nicht wegzudenken. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, SAP und ihre Software mitzugestalten. Was ich hier gut einbringen kann, ist die Kundenperspektive. Die kenne ich gut.

Sie schaffen es laut „Börsenzeitung“ aber auch, am Kapitalmarkt für Vertrauen zu sorgen. Die Quartalszahlen fielen überraschend stark aus. Wo haben Sie angesetzt?

In der Tat. Unser Cloud-Bruttoergebnis stieg im dritten Quartal währungsbereinigt um 28 Prozent an. Die Maßnahmen, die wir treffen, um unsere Profitabilität und unseren Cashflow zu verbessern, sind jedoch nicht auf eine rasche Margenausweitung ausgerichtet, sondern im Gegenteil darauf, dass sie langfristig und nachhaltig wirken. Ein Hebel ist beispielsweise die Harmonisierung unserer Cloud-Infrastruktur. Unser Programm „Next-Generation Cloud Delivery“ zielt darauf ab, unsere Cloud-Infrastruktur effizienter zu machen. Auf das Betriebsergebnis wirkt sich diese Maßnahme über lange Zeit positiv aus — nicht nur auf wenige Quartale. Der Gewinnanstieg geht jedoch auch auf Skaleneffekte zurück, die uns unser Cloud-Geschäft bringt — insbesondere bei Kunden, die uns über lange Zeit treu bleiben: Je höher der Cloud-Umsatz mit langjährigen Kunden, desto profitabler ist es für uns.

Der Gewinnanstieg war auch Resultat von Kosteneinsparungen. Wo stehen Sie da? 

Auf tagtägliche Kostendisziplin achten wir sehr stark. Das ist eine Frage, die nicht nur den Vorstand angeht, sondern auch jeden einzelnen Mitarbeiter: Ist diese Reise wirklich erforderlich? Muss diese Ausgabe für externe Dienstleistungen unbedingt sein? Wo können wir uns schlanker aufstellen? Hier haben wir einiges erreicht, aber da liegt auch noch Wegstrecke vor uns. Und wir werden kostenseitig jeden Stein umdrehen, um zu sehen, wo wir weitere Produktivitätspotenziale heben können.

Besteht nicht die Gefahr, zu viel zu sparen?

Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Auf keinen Fall werden wir Hypotheken auf die Zukunft legen. Wir werden weiterhin aggressiv in Forschung und Entwicklung investieren, um bei Themen wie künstlicher Intelligenz vorneweg zu laufen. Themen wie diese werden entscheidend sein, um unseren Cloud-Umsatz zu steigern. Der Fokus liegt für uns darin, auf der Cloud-Seite wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die den Cloud-Umsatz beflügeln. Die Cloud bietet die höhere Innovationsgeschwindigkeit, und wir tun, was wir können, um unseren Kunden den Weg in die Cloud zu erleichtern. 


SAP (WKN: 716460)

SAP-CFO: "Jetzt wollen wir unser Cloud-Geschäft skalieren und beschleunigen"

Ausgerechnet der Cloud-Umsatz ist im dritten Quartal jedoch hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Woran liegt das, und welches Aufholpotenzial sehen Sie?

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass unser Cloud-Umsatz im dritten Quartal um 23 Prozent gestiegen ist. Das ist angesichts des schwierigen Marktumfeldes mit mehreren Krisen, die gleichzeitig auftreten, sehr positiv. Unser Subskriptionsumsatz im sogenannten Software-as-a-Service- und unser Platform-as-a-Service-Geschäft sind um 26 Prozent gewachsen. Leicht gesunken sind im dritten Quartal dagegen die transaktionalen Cloud-Umsätze. Das sind Umsätze mit Transaktionen, über die unsere Kunden kurzfristig entscheiden, etwa wenn sie mit SAP Concur eine Reise buchen, wenn sie mit SAP Ariba Waren und Dienstleistungen bestellen oder wenn sie mit SAP Fieldglass externe Mitarbeiter temporär für Projektarbeiten benötigen. Das sind stark konjunkturabhängige Bereiche. Wenn die Konjunktur wieder anzieht, sehen wir genau hier auch wieder eine Rückkehr zu den Wachstumsraten, die wir langfristig beobachtet haben.

Steckt SAP noch in der Phase der Konsolidierung, oder könnte jetzt eine Wachstumsphase anbrechen, in der auch wieder Zukäufe eine Rolle spielen?

SAP befindet sich in der Transformation in die Cloud. Die erste Phase der Transformation mit starken Investitionen in die Cloud haben wir abgeschlossen. Jetzt wollen wir unser Cloud-Geschäft skalieren und beschleunigen. Das gelingt uns sehr gut, und die Zahlen zum dritten Quartal sind dafür der beste Beleg: Währungsbereinigt wächst unser Cloud-Umsatz um 23 Prozent, unser Zwölfmonatsauftragsbestand in der Cloud um 25 Prozent und der Gesamtauftragseingang prozentual sogar noch stärker. Auf der Ergebnisseite sieht es ebenso positiv aus: Unser Betriebsergebnis wächst währungsbereinigt um 16 Prozent, das Bruttoergebnis in dem für uns wichtigen Cloud-Geschäft sogar um 28 Prozent.

Wollen Sie künftig auch wieder stärker über Zukäufe wachsen?

Mögliche Zukäufe sollten Sie unter einem anderen Blickwinkel betrachten: Hier ist vor allem die Frage wichtig, wo wir unser Portfolio abrunden sollten, um unsere Kunden noch besser zu unterstützen. Die Bonner Softwaremanagement-Firma LeanIX, die wir gerne übernehmen möchten, ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Mit LeanIX wollen wir unser Angebot für die Transformation unserer Kunden in die Cloud vervollständigen. Das Unternehmen bietet Leistungen an, die in unser bestehendes Transformations- Portfolio sehr gut hineinpassen und die den Umstieg unserer Kunden in die Cloud schneller und erfolgreicher machen. Profitieren werden also in erster Linie unsere Kunden.

Könnte Ihnen in den nächsten Monaten die eingetrübte Konjunktur noch einen Strich durch die Rechnung machen? 

Inflation und stark gestiegene Zinsen lasten in vielen Volkswirtschaften erheblich auf der Konjunktur. Dennoch haben wir unsere Umsätze und Gewinne in den ersten neun Monaten 2023 stark ausgeweitet. Diese Ergebnisse verdeutlichen unsere hohe Leistungsfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäfts. Das zeigt nicht zuletzt auch das nachhaltige Cloud-Wachstum trotz andauernder negativer gesamtwirtschaftlicher Einflüsse. 

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